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Ich nehme Dinge nicht mehr so persönlich – und das verändert alles

vor 17 Stunden
4 Min. Lesezeit

Ich bin im Sternzeichen Waage geboren und ja, ich bin ein emotionaler Mensch. Das war ich schon immer. In meinen ersten Lebensjahren war ich ein Einzelkind und viel im Kindergarten oder später im Hort bzw. bei meiner Oma, weil meine Mama viel arbeiten musste. Vielleicht war es diese Mischung aus Nähe und gleichzeitigem Alleinsein, die in mir den Wunsch geweckt hat, gesehen zu werden. Anerkennung zu bekommen. Nicht einfach mit dem Strom zu schwimmen, sondern wahrgenommen zu werden.


Warum mir Anerkennung so wichtig war, weiß ich bis heute nicht genau. Aber ich weiß, dass ich früh gelernt habe, mich zu behaupten. Wenn ich es für nötig hielt, setzte ich meine Ellenbogen ein, und ich wollte gefallen – manchmal vielleicht ein bisschen zu sehr. Jede Bemerkung, jede Zurechtweisung, egal von wem sie kam, hat mich tief getroffen. Ich habe vieles persönlich genommen, auch Dinge, die gar nichts mit mir zu tun hatten.


Als ich neun Jahre alt war, bekam ich eine Schwester – ein Geschenk des Lebens, wie man so schön sagt. Für mich war sie das auch, aber erst mit der Zeit. Am Anfang war es schwierig. Plötzlich war da jemand, der genauso alt war wie ich, blond, hübsch und beliebt. In meiner Wahrnehmung stand ich oft in ihrem Schatten. Als wir Teenager wurden, hatte ich das Gefühl, dass sich jeder Junge zuerst nach ihr umdrehte. Heute weiß ich, dass vieles davon meine eigene Interpretation war. Damals hat es mich jedoch verunsichert und geprägt.


Frau .- schwarz/weiß - schaut in die Ferne

Mit dem Erwachsenwerden wurde vieles leichter, aber die Muster blieben bestehen. Ich wollte es allen recht machen, wollte gefallen und nicht anecken. Ich habe jede Bemerkung auf die Goldwaage gelegt und konnte Ungerechtigkeiten – egal, ob sie mich oder Menschen betrafen, die ich liebte, kaum ertragen. Mein Gerechtigkeitssinn war stark, manchmal vielleicht zu stark, und er hat mich oft an meine Grenzen gebracht.


Durch meine Arbeit im Tourismus habe ich gelernt, diplomatischer zu sein. Die Arbeit mit vielen verschiedenen Menschen, hat mich weicher gemacht und mir gezeigt, dass nicht jede Reaktion etwas mit mir zu tun hat. Trotzdem blieb dieser innere Kompass, der mich immer wieder daran erinnerte, wie wichtig mir Fairness und Respekt sind.

Nicht mehr alles persönlich zu nehmen ist kein Schalter, den man einfach umlegt. Es ist ein Prozess, der sich über Jahre hinzieht, ein langsames Entlernen alter Muster. Ein inneres Erwachsenwerden.


Früher hat es mich verletzt, wenn jemand nicht ans Telefon ging, aber sofort antwortete, wenn man schrieb . Heute sehe ich darin kein Problem mehr. Ich lerne aus solchen Situationen und passe mein Verhalten an und ärgere mich nicht mehr darüber. Früher habe ich erwartet, dass man sich bedankt, wenn ich etwas Gutes getan habe. Heute tue ich Dinge, nur noch für die Menschen die mir etwas bedeuten und weil ich es wirklich möchte – nicht, weil ich eine bestimmte Reaktion erwarte.


Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie viel Energie es mich gekostet hat, mich ständig nach den Launen anderer zu richten. Ich habe mich oft zurückgenommen, um niemanden zu verärgern, niemanden zu enttäuschen oder zur Last zu fallen. Ich wollte nichts falsch machen, nicht in Fettnäpfchen treten und die Stimmung verschlechtern. Ich habe mich kleiner gemacht, als ich war, nur um nicht aufzufallen oder jemandem im Weg zu stehen.


Frau mid Kaffeebecher in der Hand angelehnt und nachdenklich

Irgendwann wurde mir jedoch bewusst, dass das Leben dafür viel zu wertvoll ist. Ich habe aufgehört, mich zu verbiegen, und begonnen, Entscheidungen zu treffen, die sich für mich richtig anfühlen. Ich biete meine Freundschaft und meine Gesellschaft an, weil ich sie gerne gebe – nicht, weil ich etwas zurückerwarte. Wenn jemand das nicht möchte, ist das völlig in Ordnung. Ich brauche keine Spielchen, kein Hin und Her, kein Hinter-dem-Rücken-Gerede. Mir ist es lieber, wenn mir jemand direkt sagt, was Sache ist, anstatt zwischen den Zeilen lesen zu müssen oder mich zu fragen, ob ich etwas falsch gemacht habe.


Heute tue ich das, was mir guttut. Wenn jemand damit nicht einverstanden ist oder es lieber anders hätte, dann ist das nicht mein Problem. Ich habe lange genug versucht, es allen recht zu machen – und dabei oft vergessen, was ich selbst brauche.


Die einzigen beiden Menschen, nach denen ich mich wirklich richte, sind meine beiden Herzensmenschen. Sie kennen mich, sie verstehen mich, und sie lieben mich so, wie ich heute bin. Nicht trotz, sondern wegen meiner Entwicklung. Bei ihnen muss ich nichts erklären, nichts rechtfertigen oder beweisen. Ich darf einfach ich sein.


Mein Fazit

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich, wie viel leichter mein Leben geworden ist, seit ich daran arbeite Dinge nicht mehr automatisch auf mich zu beziehen. Ich reagiere bewusster, wähle genauer aus, was ich an mich heranlasse, und lasse vieles dort, wo es hingehört – nämlich bei den Menschen, von denen es kommt. Diese neue Gelassenheit hat mir nicht nur Ruhe geschenkt, sondern mir auch Klarheit darüber verschafft, welche Erwartungen ich überhaupt noch erfüllen möchte und welche ich loslassen darf. Vielleicht ist es genau das, was sich gerade verändert. Nicht nur meine Reaktionen werden leiser, sondern auch die Erwartungen, die mich früher so oft unter Druck gesetzt haben.

 
 
 

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