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Ein halbes Jahrhundert. Fünfzig Jahre Leben. Fünfzig Jahre Ich.

vor 16 Stunden
3 Min. Lesezeit

Wenn ich zurückblicke, sehe ich keinen geraden Weg. Ich sehe ein Mosaik – aus Licht und Brüchen, aus Sommern und Stille, aus Mut. Ein Leben, das mich geformt hat wie Wasser einen Stein: langsam, leise und unaufhaltsam. Und ich sehe all die Menschen, die mich geprägt haben, auch wenn sie es vielleicht nie wussten.


Ich bin in Klagenfurt am Wörthersee geboren, wo das Wasser so klar ist, dass man glaubt, die Welt sei ein bisschen leichter. Wo das Licht anders fällt und die Sommer nach Freiheit riechen. Meine ersten Jahre waren nur meine Mama und ich. Zwei Menschen, die sich gegenseitig getragen haben, ohne es auszusprechen. Sie hat gehalten, organisiert, geliebt – oft über ihre eigenen Grenzen hinaus. Ich habe nie alles verstanden, aber früh gelernt, dass Liebe nicht immer laut ist. Manchmal ist sie einfach da, in jeder Entscheidung, in jedem Versuch, das Leben ein bisschen leichter zu machen.

Frau und Kind sitzen sich bei einer Geburtstagstorte gegenüber

Mein Vater war nicht Teil meines Weges. Auch das gehört zu meiner Geschichte – ohne Vorwurf, ohne Schmerz. Es ist ein Kapitel, das anders verlaufen ist. Manche Wege kreuzen sich nicht, und manchmal ist das einfach so. Ich habe gelernt, dass Liebe nicht immer dort entsteht, wo man sie erwartet. Und dass man trotzdem ganz werden kann.


Viele meiner schönsten Erinnerungen gehören meiner Oma und meinen Cousins. Sommer, die nach Freiheit und Abenteuer rochen. Wir waren Kinder mit endloser Fantasie, die ganze Welten erschaffen konnten. Mein jüngerer Cousin ist heute Schauspieler – eigentlich war er das schon damals. Ich war nie die Prinzessin. Ich war das Mädchen auf dem Baum, mit zerkratzten Knien und einem Herzen, das immer ein bisschen zu wild war, um still zu sitzen. Ich konnte stundenlang Gummi hüpfen, so exzessiv, dass man es als Sport hätte eintragen können.


Als ich neun war, hat meine Mama einen Mann kennengelernt, der unser Leben verändert hat. Plötzlich waren wir eine Familie – eine Patchworkfamilie, bunt, laut, unterschiedlich, voller neuer Möglichkeiten. Ich habe gelernt, dass Liebe nicht immer gleich aussieht. Dass Nähe wachsen darf. Dass man sich finden kann, auch wenn man nicht gleich versteht, wie.

Ich bekam eine Schwester – nicht durch Blut, sondern durchs Leben. Zwei Welten, die erst lernen mussten, nebeneinander zu existieren. Und wir hatten Zeiten, die ich nie vergessen werde: Mona Lisa, unser Pferd.

Sommer am Keutschacher See. Ein Wohnwagen, der sich wie ein kleines Universum angefühlt hat. Olivenöl auf der Haut, damit wir schneller braun wurden. Kaiserschmarrn, der so viel wurde, dass wir den halben Campingplatz versorgt haben. Meine erste Spritztour mit dem Roller, die – ganz Nina-like – mit einer Schramme endete.


Diese Erinnerungen tragen mich bis heute. Und auch wenn sich Wege später getrennt haben, bleibt das Gute. Es bleibt immer.


Ich bin früh losgezogen. London, Italien, Sommerjobs, Erfahrungen, die mich geformt haben. Manche leicht, manche schwer. Manche habe ich tief in mir verstaut. Aber sie alle haben mich stärker gemacht. Mutiger. Klarer.


Amerika hat mich verändert. Dort habe ich gelernt, wie zerbrechlich das Leben ist – und wie sehr man kämpfen kann, wenn man keine andere Wahl hat. Ein Darmdurchbruch, der fast mein Ende gewesen wäre. Ich habe überlebt. Und ich habe begriffen, wie dankbar ich für das Leben bin, das ich heute habe. Wie wertvoll Sicherheit ist. Wie wertvoll Gesundheit ist. Wie wertvoll Nähe ist.


Und dann kam Martin. Die Liebe meines Lebens. Ich bin ihm im wahrsten Sinne des Wortes in die Arme gefallen – und vielleicht war das der erste Moment, in dem ich wirklich angekommen bin. Mit ihm bin ich nach Deutschland gegangen. In eine runde Wohnung in einem Turm, die so verrückt war, dass sie perfekt zu uns passte. Wir haben uns ein Zuhause aufgebaut, ein Leben, eine Familie.


Als Florian geboren wurde, hat meine Mama gesagt: „Du musst auf die Menschen zugehen, wenn du nicht alleine sein willst.“ Also bin ich mit meinem Baby auf dem Arm zu einer fremden Frau gegangen und habe geklingelt. Und daraus wurde eine Freundschaft, die bis heute trägt.


Florian ist mein Herz. Mein größter Stolz. Mein Wunder.


Martin ist mein Fels. Der Mensch, bei dem ich nicht stark sein muss. Der mich hält, wenn ich falle, und mich lässt, wenn ich Raum brauche. Der mich liebt, wie ich bin – mit all meinen Ecken, meinen Träumen, meinen kleinen Spinnereien. Bei ihm kann ich sein, wie ich bin. Ganz. Unverstellt. Geliebt.


Heute bin ich 50. Und ich bin angekommen. Nicht perfekt, nicht fehlerfrei, nicht immer mutig – aber im Reinen mit mir.


Ich habe noch Träume. Die Malediven zum Beispiel. Vielleicht wird es passieren, vielleicht nicht. Aber ich weiß heute: Das Wichtigste habe ich schon.


Ich habe Liebe.

Ich habe Frieden.

Ich habe meine Geschichte.


 
 
 

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Andrea M.
Andrea M.
vor 12 Stunden
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Wie wunderschön liebe Nina 🫶 Deine Worte, in denen man die Emotionen spürt 🥰 auch hier noch einmal von ganzem Herzen alles alles Liebe und Gute zu Deinem Geburtstag 🎂

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