Advent, Advent … mein Posteingang brennt
- Nina Saliternig
- 30. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Zwischen Weihnachtsglanz, To-Do-Listen und Home-Office-Wahnsinn
Weihnachtsmärkte, Lichterglanz und der Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln: Die stille Zeit des Jahres hat begonnen. Wir zünden Kerzen an, trinken Tee, backen Plätzchen und werden besinnlich. So stellen wir uns die Adventszeit vor. Klingt herrlich – zumindest in der Theorie.
In der Realität? Ich sitze, wie viele andere auch, im Home-Office, umgeben von einer leeren Keksdose und schaue sehnsüchtig auf den Kalender. Gleichzeitig explodiert mein Posteingang und boostet mein Endspurt-Energielevel erreicht das Maximum.„Nur noch schnell vor Weihnachten …“ scheint der meistgenutzte Satz zu sein – und er verfolgt mich mittlerweile sogar in meinen Träumen.
Für mich ist die Adventszeit jedes Jahr ein Drahtseilakt: Einerseits freue ich mich auf die Vorweihnachtszeit – Geschenke aussuchen, Kerzen anzünden, vielleicht auch mal Plätzchen backen. Andererseits steht die volle Dröhnung Arbeit an. Ab Mitte November beginnt die „heiße Phase“. Projekte, die das ganze Jahr über aufgeschoben wurden, müssen plötzlich „unbedingt noch dieses Jahr fertiggestellt werden“. Meetings, für die monatelang kein Termin gefunden wurde, finden plötzlich alle noch in den letzten paar Wochen des Jahres statt. All diejenigen, die im Juli noch tiefenentspannt waren, sind jetzt nervös und wollen sicherstellen, dass auch wirklich alles abgeschlossen wird.
Ich liebe meinen Job als Assistentin – wirklich. Aber ab dem 1. Advent gleicht mein Kalender manchmal einem schlecht gebackenen Vanillekipferl: Zu viel Druck, zu wenig Struktur – und irgendwann bricht er einfach zusammen.

Für Assistentin sind die Monate November und Dezember eine echte Herausforderung. Alle wollen noch Ordnung in ihre Ablagen bringen, ihre Budgets finalisieren oder ihre Projekte abschließen. Und das alles am besten gestern schon. Disziplin und Priorisierung sind meine einzigen Überlebensstrategien. Was ist wirklich dringend? Was kann warten? Und was muss eigentlich gar nicht mehr erledigt zu werden – auch wenn es nach „Ende des Jahres“ schreit?
Und dann ist da ja auch noch mein Privatleben. Der ganz normale Alltag als Ehefrau und Mama: Mein Sohn hat Training und Spiele, dazu kommt das bisschen Schule – und natürlich werden die Weihnachtslisten wie von Geisterhand immer länger. Während im Büro die E-Mails nur so hereinkommen, brennt zu Hause der Adventskranz - zum Glück nur im übertragenen Sinn. Es müssen Geschenke besorgt, Plätzchen gebacken und die eine oder andere Veranstaltung besucht werden. Dazu kommt ein Teenager mit vollem Eishockeykalender.
Ich sage es ganz ehrlich: Im Dezember bin ich gleichzeitig Projektmanagerin, Logistikleiterin und Familienkoordinatorin – und manchmal auch schlichtweg überfordert. Aber ich bin auch: mittendrin. In der schönsten, chaotischsten und süßesten Zeit des Jahres.
Manchmal frage ich mich: Wann ist eigentlich die „stille Zeit“? Still ist es hier höchstens am Abend, wenn ich nach einem turbulenten Tag mit Laptop, To-Dos und Geschenklisten endlich das Licht ausknipse.

Trotz allem gibt es auch schöne Momente: Wenn das erste Lichtlein brennt, wenn der Duft von Vanillekipferln durch die Küche zieht oder wenn ich mich nach einem chaotischen Tag mit einer Tasse Tee und einem Blick auf den Adventskranz belohne. Genau diese kleinen Inseln sind es, die die Adventszeit für mich besonders machen.
Mein Fazit
Advent ist keine stille Zeit, sondern eine lebendige. Für mich bedeutet sie einen Spagat zwischen Hochbetrieb und Vorfreude. Zwischen vollen Posteingängen und volleren Herzen. Zwischen „nur noch schnell“ und „einfach mal genießen“.
Advent riecht nach Zimt und Glühwein, klingt nach Tastaturklackern und Eishockeyschlägern und fühlt sich nach zu wenig Schlaf, aber ganz viel Herz an.
Irgendwann, zwischen einem überfüllten Posteingang und dem Duft von frisch gebackenen Keksen, kommt er dann doch – der Moment, in dem ich kurz innehalte, tief durchatme und denke: Ja, es ist stressig. Aber schön.
Und ich bin mir sicher: Wenn ich am Ende des Jahres erschöpft, aber glücklich auf die Wochen zurückblicke, dann weiß ich, dass es war jede To-do-Liste und jedes Geschenkpapier-Chaos wert war.







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