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Meine Träume sind nicht kleiner geworden, nur ehrlicher.

Neulich habe ich mich dabei ertappt, wie ich wieder an einen alten Traum gedacht habe. Nicht intensiv und nicht mit einem konkreten Plan, sondern eher nebenbei, so wie ein leiser Gedanke, der plötzlich wieder auftaucht.


Früher hätte ich mich in so einem Moment sofort gefragt, was ich daraus mache. Träume mussten groß, realistisch und klar erkennbar sein. Ich war überzeugt, dass Träume eine Richtung, einen klaren Plan und am besten auch ein Ziel brauchen, das man abarbeitet. Ich war überzeugt, dass Träume nur dann zählen, wenn man sie auch umsetzt. Andernfalls blieb man einfach jemand, der träumt, ohne wirklich etwas daraus zu machen - unvollständig, fast ein bisschen wie Scheitern.


Heute sehe ich das anders. Ich habe gelernt, dass man träumen darf – und dass sich Träume verändern. Sie müssen nicht immer größer oder klarer werden, sondern können auch einfach stiller werden. Manche begleiten einen über viele Jahre, ohne dass man ihnen aktiv nachgeht. Genau darin sehe ich heute nichts Negatives mehr.

Denn während wir träumen, passiert gleichzeitig etwas anderes: das Leben. Es bringt Verantwortung, Entscheidungen und Verpflichtungen mit sich, die man nicht einfach beiseiteschieben kann.


gemütlicher Esstisch in einer Hütte in den Bergen

Ich habe zum Beispiel schon oft von meinen Traum gesprochen, irgendwann einmal eine bewirtschaftete Hütte in den Bergen oder ein kleines Café, vielleicht auch eine Bar in meiner Heimat in Österreich zu haben. Dieser Gedanke begleitet mich schon seit mehrern Jahre und ist nie ganz verschwunden. Er taucht immer wieder auf, manchmal stärker, manchmal nur ganz leise.


Warum ich ihn bis heute nicht umgesetzt habe? Weil das Leben nicht immer den gleichen Weg nimmt wie unsere Vorstellungen. Früher hätte ich einen Traum den ich aus welchen Gründen auch immer nicht realisieren konnte, irgendwann frustriert beiseitegelegt. Heute mache ich das nicht. Ich lasse ihn einfach da sein. Ich denke darüber nach, male mir aus, wie es wäre, und akzeptiere gleichzeitig, dass mein Leben im Moment einen anderen Schwerpunkt hat.


Das Leben verläuft nicht parallel zu unseren Träumen, sondern mittendrin. Es bringt Verantwortung mit sich, Entscheidungen und Verpflichtungen mit sich, die man nicht ignorieren kann. Wenn ich meinen Traum jetzt umsetzen würde, müsste ich vieles von dem aufgeben, was mir inzwischen wichtig geworden ist. Und ich habe für mich entschieden, dass ich das im Moment nicht möchte.


Ich genieße das, was ich habe und unterstütze die Träume meines Sohnes und meines Mannes. Ich begleite sie auf ihrem Weg. Das bedeutet natürlich manchmal, dass ich mich selbst zurücknehme. Es ist jedoch keine Entscheidung, die aus Verzicht entsteht, sondern eine, die sich für mich richtig anfühlt.


Das heißt aber nicht, dass meine eigenen Träume verschwunden sind. Sie haben nur eine andere Rolle eingenommen. Sie stehen nicht mehr im Vordergrund, aber sie sind auch nicht weg. Ich halte sie bewusst offen – ohne zu wissen, ob oder wann ich sie jemals umsetzen werde.


Immer wieder höre ich, dass man irgendwann realistischer werden und aufhören sollte zu träumen. Dass Träumereien nichts Greifbares bringen und im Alltag keinen Platz haben. Aus einer sehr praktischen Perspektive stimmt das vielleicht.

Ich habe aber auch erlebt, was passiert, wenn Menschen ihre Träume komplett loslassen. Mit der Zeit verschwindet oft mehr als nur ein Wunsch. Es geht ein Stück Energie verloren, ebenso wie ein Teil der Freude und Neugier auf das, was noch kommen könnte. Das Leben wird enger und besteht irgendwann nur noch aus Pflichten.


schwarz weiß Bild einer Frau die gedankenverloren in die Ferne schaut

Deshalb stellt sich für mich nicht die Frage, ob Träume sinnvoll sind. Für mich stellt sich die Frage, was passiert, wenn man keine mehr hat.

Ich habe für mich eine Antwort gefunden. Meine Träume sind nicht verschwunden – sie sind nur erwachsener geworden. Sie drängen sich nicht mehr auf und sie fordern keinen festen Plan. Aber sie gehören weiterhin zu mir.


Fazit

Träumen ist für mich kein Weglaufen mehr. Es ist vielmehr eine bewusste Form des Offenhaltens. Für Möglichkeiten, für Veränderungen und für all die Überraschungen die das Leben für noch für mich bereithält.


Und vielleicht stellt sich irgendwann nicht mehr nur die Frage, welche Träume wir haben, sondern auch, wie viel Zeit wir ihnen noch geben wollen. Genau darin liegt für mich im Moment ein neuer Gedanke, dem ich weiter nachspüren möchte.

 
 
 

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